Schon seit einer Weile lag das Schnittmuster „Lexa“ von Hansedelli in meiner Schnittmusterablage.

Wie immer bei Hansedelli ist die Anleitung extrem detailliert – in diesem Fall über 70 Seiten lang.

Das hat mir ehrlich gesagt ziemlich Respekt eingeflößt.

Also habe ich die Stoffe besonders sorgfältig ausgewählt:
Ein wunderschöner Polsterstoff sollte mit softem Kunstleder kombiniert werden. Dazu bestellte ich farblich passende Metallbeschläge und sogar hübsche Reißverschlusszipper. Weil ich etwas großzügiger bestellt hatte, lag der Lieferung noch ein Lederetikett als kleine Zugabe bei. Auch das sollte natürlich an die neue Tasche.

Die Vorbereitung lief also hervorragend.

Ich druckte alle Schnittteile aus und las die Anleitung mehrfach durch. Zusätzlich schaute ich mir in der Nähgang noch Empfehlungen zum Thema Taschenvliese an.

Und genau hier begann vermutlich mein kleiner Overengineering-Moment.

Die Empfehlung dort lautete, statt Schaumstoff lieber aufbügelbares Stylevil zu verwenden. Stylevil gab es noch nicht, als das Schnittmuster entstand – also war ich überzeugt:
Das MUSS eine hervorragende Idee sein.

Also verstärkte ich sämtliche Taschenteile sehr großzügig.

Das Aufbügeln mit der Heizpresse funktionierte übrigens wunderbar. Das kann ich wirklich empfehlen.

Beim Nähen selbst hatte ich zunächst richtig viel Freude. Alles lief erstaunlich gut.

Der erste kleine Dämpfer:
Meine wunderschönen ausgesuchten Zipper passten nicht auf die groben Reißverschlussraupen. Also mussten am Ende doch die Standardzipper verwendet werden.

Damit konnte ich noch leben.

Wirklich spannend wurde es erst beim Wenden der Tasche.

Durch die starke Verstärkung war das eine ziemlich schwierige Aktion. Die Wendeöffnung wurde dabei unfreiwillig immer größer und an einigen Stellen löste sich das aufgebügelte Stylevil wieder vom Stoff.

Das Ergebnis:
Das Innenleben der Tasche sieht nun teilweise ziemlich wellig aus.

Und als wäre das nicht genug, ist die Tasche durch die großzügige Verstärkung auch noch recht schwer geworden.

Die allerletzte Naht?
Die bekomme ich schlicht nicht mehr unter meine Nähmaschine.

Mein Fazit:
Vielleicht sollte man ein Schnittmuster, das man zum ersten Mal näht, tatsächlich erst einmal genau nach Anleitung nähen. Die Designerin könnte sich durchaus etwas dabei gedacht haben.

Optisch gefällt mir die Tasche nämlich wirklich gut. Mich stören allerdings die unperfekten Stellen im Inneren und die Inneneinteilung passt für meinen Büroalltag nicht ganz so gut wie gedacht.

Das Schnittmuster selbst finde ich trotzdem richtig gut – und definitiv wert, noch einmal genäht zu werden.

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