Wie bin ich nur auf die Idee gekommen, eine Sommerdecke zu nähen – und noch dazu zu quilten?
Seit ungefähr einem Jahr bin ich in der Nähgang unterwegs. Barbara, Gründerin und Chefin der Nähgang, hatte nicht nur einmal erwähnt, dass sie ausschließlich unter Quilts schläft. Ganz besonders im Sommer sei das unvergleichlich wunderbar – so verkündete sie es immer wieder.
Mein erster Gedanke: Klar muss sie das sagen. Ist schließlich ihr Business.
Dann kamen immer mehr Lives mit Bekenntnissen zu gequilteten Sommerdecken. Sogar eine der Expertinnen, die eigentlich Expertin für das Taschennähen ist, erzählte, dass sie erst seit einem Jahr Patchwork und Quilten für sich entdeckt hat und nun ebenfalls nur noch unter ihren Quilts schläft.
Der Stachel war gesetzt.
Die Idee nimmt Gestalt an
Im Mai dachte ich schon an den bald kommenden Sommer und überlegte, ob ich nicht auch eine Sommerdecke versuchen sollte.
Vorsichtshalber suchte ich schon einmal nach einem Schnittmuster, das mir gefallen könnte. Auf dem Nähgang-Blog entdeckte ich den Hinweis auf den Wooden Rose Quilt.
Das Schnittmuster war schnell gekauft und heruntergeladen. Immerhin ist das Ausdrucken bei Quilts angenehm überschaubar.
Den Baumwollstoff bestellte ich in Holland, denn ich wollte nicht schon für den Stoff ein Vermögen ausgeben. Ich wusste schließlich, dass das Vlies schon ein kleines Investment werden würde. Für mich kam deshalb nur Quilters Dream Orient infrage.
Anfang Juni waren die Stoffe da.
Vorwaschen, trocknen, bügeln – und dann ging es mit dem Zuschnitt los.
Ich habe fast alle Stoffe so vorgeschnitten, wie es in der Anleitung stand. Da ich das Schnittmuster aber vergrößern musste – sonst wäre die Decke zu klein gewesen –, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht genau, wohin die Reise mit den ganzen Zuschnitten gehen würde.
Mit dem Wissen von heute würde ich nicht wieder so viel vorher zuschneiden.

Die ersten Sterne
Aus meiner letzten Erfahrung mit dem FPP-Eichhörnchen wusste ich bereits: Eine gute Organisation des Arbeitsplatzes ist das A und O und hilft enorm dabei, nicht die Orientierung zu verlieren.
Also machte ich mich an die ersten Sterne in der Mitte der Quiltblöcke.


Im Juni kam dann auch die erste Hitzewelle des Jahres.
Und ich kämpfte wieder mit meiner Bettdecke. Ohne Bettdecke war es doof, mit Bettdecke war es viel zu warm.
Also: Tempo, Tempo! Die Sommerdecke muss fertig werden!
Ich nähte wirklich bei jeder Gelegenheit an den Blöcken und das Quilttop wuchs beständig. Nachdem die Sterne fertig waren, kam das Sägezahnrad um jeden Stern. So entstand Block für Block.
20 oder 24?
Anfang August war es soweit: 24 Blöcke waren fertig.
Zunächst dachte ich, 20 würden auch reichen. Also legte ich sie im Nähzimmer auf dem Fußboden aus.


Es fehlten nur noch die Zwischenstreifen – das Sashing. Auch das legte ich schon einmal probeweise zwischen einige Blöcke.

Und dann war ziemlich schnell klar: 20 sind etwas zu kurz.
Also kamen die letzten vier Blöcke auch noch dazu.
Endlich war das Top fertig.
Das gesamte Top wurde noch einmal mit dem Dampfbügeleisen gebügelt. Auch den Rückseitenstoff habe ich noch einmal gründlich glatt gebügelt.
Jetzt fehlten nur noch Vlies und Rückseite.
Drei Lagen und drei Poolnudeln
Für das Zusammenfügen der drei Lagen – Top, Vlies und Rückseite – kamen drei Poolnudeln und reichlich Sprühzeitkleber zum Einsatz.

Das Ganze sah schon ziemlich beeindruckend aus.
Nachdem alle drei Lagen verbunden waren, ging es ans Quilten.
Dafür habe ich mein Nähzimmer kurzerhand umgebaut. Meine beiden Kallax-Regale auf Rollen waren dabei ausgesprochen hilfreich. Sie haben mir einen großen Teil des Gewichts der Decke abgenommen.
Trotzdem: Das Quilten eines so großen Quilts war eine echte Herausforderung. Für Mensch und Maschine.

Aber auch das habe ich geschafft.
Nun fehlte noch das Binding.
Acht Meter Binding
Das Binding habe ich selbst hergestellt – aus vielen einzelnen Stoffstreifen in den Farben, die auch im Quilt vorkommen.
Am Ende war das Binding stolze acht Meter lang.
Nach dem Zuschneiden wurde es gebügelt und anschließend an den Quilt genäht.
Dabei stellte ich mich allerdings etwas ungeschickt an und musste hier im Blog selbst noch einmal nachlesen, wie es richtig geht.
Zum Glück gibt es meinen Nähhelfer.
[Interner Link zum Nähhelfer]
Fertig!
Am 24. August war es endlich soweit: Die Sommerdecke war fertig.
Und ich habe sie sofort benutzt. Warm genug war es schließlich allemal.

Seither nutze ich die Decke sehr gerne. Sie ist einfach toll.
Und würde ich es wieder tun?
Ich glaube, die Antwort liest man aus dem letzten Satz schon heraus: ein eindeutiges JA!
Tatsächlich überlege ich schon, ob ich mir eine Winterdecke machen möchte.
Da bin ich allerdings noch nicht ganz sicher. Dafür müsste ein ordentlich dickes Vlies hinein – und ich weiß noch nicht, ob meine Maschine und ich das gemeinsam schaffen würden.
Perfekt? Nein. Meine Decke? Ja.
Für mich ist die Sommerdecke perfekt.
Perfekt gearbeitet ist sie allerdings nicht. Das muss ich definitiv noch üben – und zwar an kleineren Objekten und nicht gleich am nächsten Schlafquilt.
Auch den Umgang mit den Poolnudeln muss ich noch üben. Gerade am Anfang hätte mir dabei eindeutig eine dritte Hand gefehlt.
Und eines weiß ich beim nächsten großen Quilt ganz sicher:
Den Rückseitenstoff nicht zu knapp wählen.
Man lernt eben mit jedem Quilt dazu.
