Eine Hundespaziergangsweste soll es werden. Ich nenne sie mal Gassiweste.
Warum eine spezielle Weste für Hundespaziergänge erforderlich ist?
Erforderlich sicher nicht, aber ungeheuer praktisch. Viele Taschen – große Taschen – zum verstauen von Leckerchen, Spielzeug, Extraleine und so weiter. Ich habe da so meine Ansprüche möglichst meine Hände frei zu haben, wenn ich mit den Hunden unterwegs bin.
Angetan war ich von den Jagdwesten für Damen oder von den Hundesportwesten.
Die Hundesportwesten wirken mir zu sportlich und die Jagdwesten, sind erstens schwer zu bekommen und zweitens sind die ein bisschen zu sehr auf Jagd ausgelegt (ist ja auch ihr Zweck).
Also selbermachen!
Ganz ehrlich? Das ist nicht die erste Weste, die ich zu diesem Zweck genäht habe.
Erster Versuch: Die Weste Judy von Pattydoo. Die Weste lässt sich super nähen – das Tutorial ist äußerst hilfreich. Dennoch konnte sie als Gassiweste nicht punkten – zu figurnah – zu kleine Taschen.
Zweiter Versuch: Parka Paquita von Lillesol & Pelle.
Den Parka habe ich angepasst an meine Bedürfnisse und einfach die Ärmel weggelassen. Genäht habe ich aus einem wunderbar weichen Cord und gefüttert mit Mantelflausch. Eine Rückentasche hat die Weste auch bekommen. Ich habe die Weste rauf und runter getragen. Sie hat gepasst, hatte aber 2 Nachteile, die mich erst nicht weiter gestört haben: Der Parka ist leicht ausgestellt und der Taillenzug ist mir etwas zu hoch. Außerdem war das schlichte weglassen der Ärmel am Armausschnitt nicht ausreichend – ich hätte die Armlöcher anpassen müssen.
Dann kam der Moment, als ich Leckerchen in meiner schönen großen Vordertasche vergessen habe und Henry (unser Labrador) sich die Weste geschnappt hat. Er ist da leider etwas grobmotorisch vorgegangen und die Weste hat das nicht überlebt.
Soweit zur Vorgeschichte – Zeit für eine neue Weste. Nur… welches Schnittmuster?
Mein nächster Versuch: Ich hatte noch Tweedstoff, der eigentlich für ein anderes Projekt gedacht war. Und ich hatte gerade die Schnittanpassung für eine Basic Jacke nach der Anleitung von Eva Küpper gemacht. Die entstandene Jacke gefiel mir schon einmal gut. Also lernte ich aus meinen letzten Fehlern und passte die Armlöcher entsprechend an.
Ganz nobel habe ich eine Paspel aus Kunstleder eingearbeitet. Meine Güte war das Kunstleder störrisch um die Ecken zu bekommen!
Die Weste wird mit Knöpfen geschlossen. Die Knöpfe habe ich bezogen – so wie ich es für meine Basic-Jacke gemacht habe.
Die Knopflöcher habe ich mit der Stickmaschine gestickt, Das sieht richtig schick aus.
Gefüttert ist die Weste mit Futtertaft.
Mein Fazit zur Tweedweste:
Die Weste ist schön und tragbar. 3 Dinge stören mich:
1. Ich hatte nicht genug Stoff für eine durchgehende Rückentasche – ich habe gestückelt.
2. Die bezogenen Knöpfe sind nicht sehr haltbar. Bei den Rohlinge für die Stoffknöpfe habe ich minderwertige Ware gekauft. Die Knöpfe werde ich noch ersetzen.
3. Die Weste ist nur was für warme, trockene Tage. Sie ist kein bisschen wasserfest. Pst… der Tweed kratzt!
Gut… dann eben noch ein Versuch.
Weste Alon von Sewsimple
Das sollte mein neuer Versuch werden. Das Schnittmuster war brandneu und ich musste es sofort haben. Weste… jaaaa.
Auf jeden Fall wollte ich die Weste Alon kreativ erweitern, damit sie zu meinen persönlichen Anforderungen passt.
Zum Material:
Ich habe meinen bewährten Steppstoff genommen, den ich schon für die Jacke Buffán verwendet habe.
Der Futterstoff ist ein Viskosejersey, den ich eigentlich für ein Shirt hatte verwenden wollen, aber dann erschien mir das Muster doch etwas zu wild. Hier passt es perfekt.
Destweiteren habe ich Schrägband für die großen Tashenerweitereungen verwendet und Webband- und Gurtbandreste für den Pfeifenhalter und das D-Ring Add-on.
Großen Wert lege ich auf große Vordertaschen und eine Rückentasche.
Das ist natürlich so nicht im Schnittmuster enthalten und so habe ich mir kleine Schnittmustererweiterungen gezeichnet und hinzugefügt.
Hier kommt mein Vordertaschen Add-on:
Die Anleitung der Weste ist sehr gut verständlich und kann auch als Video-Tutorial auf Youtube angesehen werden. Wirklich sehr gut gemacht.
Details wie das einnähen des Reißverschlusses und das etwas trickreiche wenden der Weste, sind mit Hilfe der Anleitungen kein Problem.
Mein Fazit zur Weste Alon als Gassiweste:
Das Schnittmuster ist wirklich gut und stimmig.
Als Gassiweste würde ich sie auch noch einmal nähen. Sicher nicht in so einem festen Stoff wie dem Stepper. Das ist jetzt Gemecker auf hohem Niveau, denn der Steppstoff ist toll und sehr Wetterbeständig, aber etwas steif.
Die Weste selber würde ich etwas kürzer machen und einen 2-Wege-Reißverschluss wählen. Die Vordertaschen dürften ein bisschen kleiner sein.
Für die Rückentasche hätte ich gern etwas mehr Tiefe, damit Dummys Platz finden.
Ich trage sie total gerne und ich weiß schon dass die nächste Alon-Weste mit den Add-ons aus diesem herrlich weichen Breitcord sein wird.
Wenn ich sie noch einmal nähe, gibt es eine Materialliste und ein ausführliches Tutorial zu meinen Add-ons. Dann wohl auch als Video auf Youtube.
Empfehlung:
Wenn dich dieses Thema angesprochen hat, findest du hier weitere Beiträge aus dem Nähbereich, die gut dazu passen:
Bekleidung
Taschen und Accessoires
Wenn du digitale Begriffe schon immer mal erklärt haben wolltest, schau mal in den Vokabeltrainer.
Ich verlinke dir hier die alphabetische Vokabelübersicht. Mit einem Klick auf die einzelnen Vokabeln kommst du zur ausführlichen Erklärung.
Für einen Blick hinter die Kulissen findest du im digitalen Tagebuch Hintergründe, Erfahrungen oder der größere Zusammenhang zu dem, was hier entsteht.
Wenn du neu hier bist, ist vielleicht ein Blick auf den Startpunkt von Elbwisch interessant. Mein WARUM ist hier in meinem allerersten Blogbeitrag.
